„Keine Zeit! Ich habe Wichtigeres am Bein als das! Soll ich das stehen und liegen lassen?“ Klarer Fall von Prioritätenwahnsinn – ob das Wichtige wirklich so wichtig ist, können wir nur erahnen. Immerhin scheint der Kollege bis zum Hals in Arbeit zu stecken und hat vor lauter Tagesgeschäft keine Zeit für Strategie. Lieber designt er noch eine Folie für seinen wöchentlichen Meeting-Slot. Wie so viele Manager ist dieser Kollege heillos aktivitäts- statt ergebnisorientiert.
Auf seine Ineffizienz angesprochen, folgt die Litanei der unbewussten Inkompetenz:
- Ich plane alle Sachen sauber durch, tracke und kontrolliere sie, und bei Abweichungen werden diese diskutiert.
- Meetings haben bei mir eine klare Agenda: Was wollen wir besprechen? Und genau daran halten wir uns dann auch.
- Aufgaben delegiere ich so weit wie möglich.
Klingt das schlüssig für Sie? Dann sind auch Sie vielleicht infiziert vom Virus des Aktionismus.
WIE SIE DEM AKTIONISMUSVIRUS ENTGEHEN KÖNNEN
- Sachen durchplanen? Pläne sind keine Outputgröße! Sie sind Input als Mittel zum Zweck. Wer Pläne diskutiert, verliert das Ergebnis aus den Augen. Der Fokus des täglichen Tuns muss auf dem Zweck liegen. „Was bringt uns dem Ziel heute maximal näher?“ Und nicht: „Was steht seit acht Wochen im Plan?“
- Meeting mit klarer Agenda? Auch nur ein Plan, der sagt, was man tun, nicht aber, was man erreichen will und was dafür nötig ist. Der Fokus muss auf das Ergebnis gerichtet sein. Nicht „Erörterung von …“, sondern „Fehlende Manpower im Projekt XY. Welche Entscheidung treffen wir?“.
- Aufgaben delegieren? Unsinn, den ein anderer macht, bleibt Unsinn. Wer weiß denn, wie sinnvoll diese Aufgaben sind? Deshalb: Denken vorm Delegieren: Was braucht es tatsächlich, um voranzukommen? Nicht das Überflüssige an jemand anderen abschieben.
Wenn das so trivial ist – warum befolgt es dann keiner? An einem überholten Plan zu feilen, statt ein konkretes Problem zu lösen, sich im Meeting mit Minierfolgen zu brüsten, statt Engpässe anzupacken, Dinge blindlings zu delegieren, weil man keine Lust hat, sie vorher auf ihren Sinn abzuklopfen – ganz ehrlich: Das ist kein Management, das diese Bezeichnung verdient.
Überlegen Sie jeden Morgen: Was müssen wir heute entscheiden und tun, um dem Ziel näher zu kommen? Wen und welche Voraussetzungen brauchen wir dafür? Sie werden sehen: Ohne weiteren Stress sind locker 20 bis 30 Prozent mehr Leistung drin in Ihrer Organisation. Ihr Management-ROI geht hoch wie eine Rakete, und Ihr Job fängt an, richtig Spaß zu machen!
Ihr Matthias Kolbusa